Informationen zur neuen Düngeverordnung

Allgemeine Informationen

Vor einer Düngemaßnahme sind die im Boden verfügbaren Nährstoffmengen zu ermitteln für (§4 Abs. 2,4):

  • Stickstoff (0-90 cm), jährlich (gilt nicht für Dauergrünland) durch Bodenuntersuchungen oder Übernahme von Nmin-Richtwerten

  • Phosphat, alle 6 Jahre anhand einer Bodenuntersuchung durch ein zugelassenes Labor für Flächen ab 1 ha

Ausbringmöglichkeiten im Herbst (§6 Abs. 8,9)*

Ausbringungsmenge von Düngemitteln mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff1 bis max. 60 kg/ha Gesamt-N oder 30 kg/ha Ammonium-N.

 

 Kultur  N-Düngung
(max. 60 kg gesamt, max. 30 kg Ammonium)
 N-Düngung bis  Bedingung
 Winterraps  ja  01.10.  Aussaat bis 15.09.
 Feldfutter  ja  01.10.
 Zwischenfrüchte  ja  01.10.
 Wintergerste  ja  01.10.  Nur nach Getreide und Aussaat bis 01.10.
 Gemüse, Erdbeeren,
 Beerenobst
 ja  01.12.  Kein N aus flüssigen Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft als Kopfdüngung.
 Nur, wenn Zeitpunkt der Gemüseernte nach der Ausbringung 12 Wochen nicht unterschreitet.
 Winterweizen, Roggen,
 Triticale
 nein  -  -
* Länderspezifische Regelungen beachten
 Keine N-Ausgleichsdüngung zu Stroh!
 1Mehr als 1,5 % Gesamt-N in der TM.

Lagerkapazitäten von Wirtschaftsdüngern und Gärrückständen (§12):

  • 6 Monate für Gülle, Jauche, Silagesickersäfte, Gärreste
  • 9 Monate für Betriebe > 3 GV/ha und/oder ohne eigene Aufbringflächen ab 01.01.2020
  • 2 Monate für Festmist, Kompost ab 01.01.2020

Sperrfristen

Sperrfristen zur Ausbringung von Düngemitteln mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff 1 (§6 Abs. 8,9)

 Nutzungsart/Situation
 Sperrfrist2
 Bedingung
 Ackerland
 nach Ernte Hauptfrucht bis 31.01  
 Grünland u. Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau
 01.11.-31.01.  Aussaat muss bis zum 15.05. erfolgt sein.
 Gemüse
 ab 01.12.  
 Festmist/Kompost
 15.12.-15.01.  
 Mehr als 1,5 % Gesamt-N
 Die nach Landesrecht zuständige Stelle kann Beginn und Ende um bis zu 4 Wochen verschieben.

Abstand zu Gewässern

Abstand zu Gewässern (§5 Abs. 2,3)

Mindestabstand beim Ausbringen von N-/P-haltigen Stoffen an Gewässern:

  • 1 m wenn Streubreite = Arbeitsbreite oder Grenzstreueinrichtung verwendet wird.
  • 4 m zwischen Ausbringfläche und Böschungsoberkannte.
  • 5 m bei Hangneigung ab 10 %.

Weitere Bedingungen bei einer Hangneigung ab 10 % im Bereich 5 – 20 m:
Aufbringung nur bei:

  • Sofortiger Einarbeitung auf unbestellten Flächen
  • Entwickelter Untersaat, Reihenkultur mit Reihenabstand ≥ 45 cm, sofortiger Einarbeitung
  • hinreichender Bestandesentwicklung ohne Reihenkultur
  • Mulch- oder Direktsaatverfahren

Einarbeitungspflicht auf unbestelltem Acker (§6 Abs. 1,2)

  • Organisch, organisch-mineralische Düngemittel (inkl. Wirtschaftsdünger) mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff1 müssen spätestens 4 Stunden nach Beginn des Ausbringens eingearbeitet sein.
    Mehr als 1,5 % Gesamt-N in der TM.

Ausnahmen:

  • Festmist (Huf- und Klauentiere); Kompost; org., org.-mineralische Düngemittel mit <2 % TM
  • Harnstoff ab 01.02.2020 nur noch mit Ureasehemmstoff oder Einarbeitung innerhalb von 4 Stunden.

Weitere Vorgaben

Weitere Vorgaben zur Aufbringung (§5 Abs. 1)

  • Keine Aufbringung von N-/P-Düngung, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten, Pflanzenhilfsmitteln, wenn der Boden:

    • Überschwemmt ist
    • Wassergesättigt ist
    • Gefroren ist
    • Schneebedeckt ist

  • Ausnahme Kalk

    • Kalkdünger (<2 % Phosphat) auf gefrorenen Boden, wenn keine Gefahr des Abschwemmens in oberirdische Gewässer oder Nachbarflächen gegeben ist.

  • Ausnahme gefrorene Böden
    Max. 60 kg Gesamt-N/ha, wenn:

    • Boden durch Auftauen am Tag aufnahmefähig wird
    • Keine Gefahr des Abschwemmens in oberirdische Gewässer oder Nachbarflächen gegeben ist
    • Andernfalls die Gefahr von Verdichtung/Strukturschäden bestehen würde
    • Eine Pflanzendecke (Grünland, Winterung, Zwischenfrucht) vorhanden ist

  • Bei Kompost oder Festmist (Huf- und Klauentiere) >60 kg Gesamt-N/ha zulässig.

Stickstoffobergrenzen von organischen Düngemitteln (§6 Abs. 4)

  • Max. 170 kg Gesamtstickstoff pro Hektar und Jahr aus organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln, inkl. Wirtschaftsdüngern im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Flächen des Betriebes.
  • Kompost:
     Max. 510 kg Gesamtstickstoff pro Hektar innerhalb von drei Jahren.

Bedarfsermittlung (N&P)

Zulässige N- und P-Salden (§9 Abs. 2,3)

  • N-Saldo: max. 50 kg N/ha (3-Jahresmittel)
  • P-Saldo: max. 10 kg P2O5/ha (6-Jahresmittel)


Stickstoffbedarfsermittlung (§4 Abs. 1)

Für die Ermittlung des Stickstoffbedarfs sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:
  • Kultur
  • N-Bedarfswert
  • Etragsniveau im Durchschnitt der letzten 3 Jahre
  • Nmin (0-90 cm) aus eigenen Analysen oder Richtwerten
  • Humusgehalt des Bodens
  • N-Nachlieferung aus org. Düngung des Vorjahres (mind. 10 % der Gesamt-N-Menge)
  • N-Nachlieferung aus Vor- und Zwischenfrüchten
  • Zuschlag bei Abdeckung mit Folie oder Vlies zur Ernteverfrühung

 N-Bedarfswerte in Abhängigkeit vom Ertragsniveau
 Zu- und Abschläge von abweichendem Ertragsniveau
 Kultur  Ertragsniveau
(dt/ha)
 N-Bedarf
(kg N/ha)
 Ertragsdifferenz (dt/ha)
 Zuschläge bei
höheren Erträgen (kg N/ha)
 Abschläge bei
niedrigeren Erträgen
(kg N/ha)

 Winterraps
 40  200  5  10  15
 Winterweizen  A/B
 80  230  10  10  15
 Winterweizen C
 80  210
 Winterweizen E
 80  260
 Hartweizen  55  200
 Wintergerste  70  180
 Winterroggen  70  170
 Wintertriticale  70  190
 Hafer  55  130
 Sommergerste  50  140
 Körnermais  90  200
 Silomais  450  200  50  10  15
 Zuckerrübe  650  170  100  10  15
 Kartoffel  450  180  50  10  10
 Frühkartoffel  400  220

P-Gehalte im Erntegut

 P2O6-Gehalte im Erntegut
 Kultur  kg/dt Haupternteprodukt  kg/dt Haupternteprodukt mit anteiligem Stroh od. Blatt   kg/dt Stroh oder Blatt
Getreide und Körnermais
 Weizen
 0,8  1,04  0,3
 Wintergerste
 0,8  1,01  0,3
 Roggen
 0,8  1,07  0,3
 Triticale
 0,8 1,07  0,3
 Sommerfuttergerste  0,8  1,04  0,3
 Braugerste  0,8  1,01  0,3
 Hafer  0,8  1,13  0,3
 Durum  0,8  1,04  0,3
 Dinkel (ohne Spelzen)  0,8  1,1  0,3
 Körnermais  0,8  1,0  0,2
 
 Körnerleguminosen 
 Ackerbohnen  1,2  1,5  0,3
 Körnererbsen  1,1  1,4  0,3

 Ölpflanzen
 Raps  1,8  2,48  0,4
 Senf  1,77  2,37  0,4

 Hackfrüchte
 Kartoffeln  0,14  0,16  0,10
 Zuckerrüben  0,10  0,18  0,11

 Futterpflanzen/Biogassubstrate
 Silomais 30% TM  0,17
 CCM  0,50
 Lieschkolben  0,32
 GPS-Getreide  0,20

 Grünland
 4 Nutzungen/Jahr
 ca. 90 dt TM/ha
 1,0
 5 Nutzungen/Jahr
 ca. 110 dt TM/ha
 1,0

 Weinbau
 Wein  0,02
 Most  0,04
 Trauben  0,10

Quelle: Nährstoffgehalte in Düngemitteln und im Erntegut, Dienstleistungszentren Ländlicher Raum in Rheinland-Pfalz. Bei abweichendem Bundesland bitte entsprechend informieren.

 Abschläge in Abhängigkeit vor Vor- und Zwischenfrüchten
 Vorfrucht (Hauptfrucht des Vorjahres)  Mindestabschlag (kg N/ha)
 Grünland, Dauerbrache, Luzerne, Klee, Kleegras, Rotationsbrache mit Leguminosen  20
 Raps, Körnerleguminosen, Kohlgemüse, Rotationsbrache ohne Leguminosen, Zuckerrüben ohne Blattbergung  10
 Getreide (mit und ohne Stroh), Silo-/ Körnermais, Kartoffel, Gemüse ohne Kohlarten  0

 Zwischenfrucht
 Nichtleguminosen (abgefroren)  0

 Nichtleguminosen (nicht abgefroren)
 im Frühjahr eingearbeitet
 im Herbst eingearbeitet

 20
 0
 Leguminosen (abgefroren), Futterleguminosen mit Nutzung  10
 Leguminosen (nicht abgefroren)
 im Frühjahr eingearbeitet
 im Herbst eingearbeitet

 40
 10
 Andere Zwischenfrüchte mit Nutzung  0

N-Bedarfsermittlung (Beispiele)

 Beispiel N-Bedarfsermittlung für A-/B-Winterweizen
 Bedarfswert für A-/B-Weizen [kg N/ha] bei 80 dt/ha Ertrag
 230
 Korrekturabzüge
 Ertrag (Mittel der letzten 3 Jahre)  90 dt/ha  +10
 Nmin (0-90 cm)  Analyse oder Richtwert  z.B. -55
 Humusgehalt  < 4,0 %  -0
 Org. Düngung Vorjahr (=Kalenderjahr)  z.B. 80 kg Gesamt-N/ha über Gülle/ Gärrest davon sind 10% anzurechnen  -8
 Vorfrucht  Winterraps  -10
 Zwischenfrucht
 keine  -0
 Düngebedarf [kg N/ha]
 167
 Beispiel N-Bedarfsermittlung für Winterraps
 Bedarfswert Winterraps [kg N/ha] bei 40 dt/ha Ertrag
 200
 Korrekturabzüge
 Ertrag (Mittel der letzten 3 Jahre)  40 dt/ha  ±0
 Nmin (0-90 cm)  Analyse oder Richtwert  z.B. -65
 Humusgehalt  < 4,0 %  -0
 Org. Düngung Vorjahr (=Kalenderjahr)  keine  -0
 Vorfrucht  Wintergerste  -0
 Zwischenfrucht
 keine  -0
 Düngebedarf [kg N/ha]
 135
 Beispiel N-Bedarfsermittlung für Zuckerrübe
 Bedarfswert für Zuckerrübe [kg N/ha] bei 650 dt/ha Ertrag
 170
 Korrekturabzüge
 Ertrag (Mittel der letzten 3 Jahre)  850 dt/ha  +20
 Nmin (0-90 cm)  Analyse oder Richtwert  z.B. -55
 Humusgehalt  < 4,0 %  -0
 Org. Düngung Vorjahr (=Kalenderjahr)  keine  -0
 Vorfrucht  Wintergerste  -0
 Zwischenfrucht
 Nichtleguminosen, nicht abgefroren, im Frühjahr eingearbeitet  -20
 Düngebedarf [kg N/ha]
 115
 Beispiel N-Bedarfsermittlung für Silomais
 Bedarfswert Silomais [kg N/ha] bei 450 dt/ha Ertrag

 200
 Korrekturabzüge
 Ertrag (Mittel der letzten 3 Jahre)  500 dt/ha  +10
 Nmin (0-90 cm)  Analyse oder Richtwert  z.B. -65
 Humusgehalt  < 4,0 %  -0
 Org. Düngung Vorjahr (=Kalenderjahr)  z.B. 140 kg Gesamt-N/ha über Gülle/ Gärrest davon sind 10% anzurechnen  -14
 Vorfrucht  Silomais  -0
 Zwischenfrucht
 Nichtleguminosen, abgefroren  -0
 Düngebedarf [kg N/ha]
 131

Lösungen und Vorschläge

Das Inkrafttreten der novellierten Düngeverordnung stellt Landwirte, Winzer und den alltäglichen Betriebsablauf vor neue Herausforderungen.

Hierfür bieten wir Ihnen individuelle Hilfestellungen und Lösungen an. Wir beraten Sie gerne zu den relevanten Pflanzenbau-Themen hinsichtlich der neuen Düngeverordnung Dünger, Saatgut, Zwischenfrüchte und Weinbau.

Für Lösungen im Bereich Düngetechnik kontaktieren Sie bitte Ihren RWZ-Technik-Mitarbeiter vor Ort.

Ihre Ansprechpartner

Dr. Thorsten Krämer

Dr. Thorsten Krämer

Fachberatung

Telefon: 0221 / 16 38-172
E-Mail: thorsten.kraemer(at)rwz.de

Niklas Kloppenburg

Fachberatung

Telefon: 0221 / 16 38-378
E-Mail: niklas.kloppenburg(at)rwz.de

Dr. Burkard Kautz

Dr. Burkard Kautz

Fachberatung

Telefon: 0221 / 16 38-305
E-Mail: burkard.kautz(at)rwz.de

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