10. Ackerbaufachtagung in Worms

RWZ-Ackerbaufachtagung in Worms informierte

Weltweit noch hohe Getreidevorräte

Rund 250 Landwirte folgten dem Aufruf der Raiffeisen-Waren-Zentrale Rhein-Mein eG (RWZ) zur zehnten Ackerbaufachtagung nach Worms und kosteten traditionell den ersten Erdbeerkuchen im Jahr. Weniger süß und erfrischend wirken die Getreidemärkte und die Stimmung der Gesellschaft gegenüber der Landwirtschaft, Themen, die von Fachreferenten aufgegriffen wurden.

So berichtete Hans-Peter Hunsinger, der Vertriebsleiter Getreide und Ölsaaten der RWZ Rhein-Main, über aktuelle Rahmenbedingungen am Getreidemarkt. Demnach überstieg die Getreideproduktion 2014 den Verbrauch um 25 Mio. t.

Alles hängt von aktueller Ernte ab

Der internationale Getreiderat (IGe) schätzt die Ernte 2015 kleiner ein als die Rekordernte 2014, sodass ein Bestandsabbau von 23 Mio. t möglich wäre und die Weltgetreidevorräte damit bei 428 Mio. t liegen. "Russland beendete die Besteuerung von Exporten und kehrt damit auf den Weltmarkt zurück", stellte Hunsinger fest. Es konnte die Inlandvorräte aufbauen. Der aktuelle Aufwuchs in der EU sehe sehr zufriedenstellend aus -wenn es auch in Rheinland-Pfalz bald mal regne, doch insgesamt herrsche ein Mengendruck auf die Bilanzen. "Für die deutschen Landwirte bedeutet dies einen verschärften Wettbewerb, obwohl die EU in 2014/2015 Rekordmengen von 32 Mio. t exportiert hat", sagte Hunsinger. Manche Seehäfen seien an ihre Grenzen gestoßen. Offene Fragen bleiben die Wahrung und damit die Wettbewerbsfähigkeit, die Logistik und der Export. "Das Zünglein an der Waage werde die aktuelle Erntemenge sein", fasste Hunsinger zusammen und ging auf die Preissituation einzelner Kulturen ein. So sei Weizen zum Zeitpunkt der Tagung mit 178 Euro/t Ma-tif in Patis notiert. Das Kaufinteresse sei vorhanden, bisher jedoch keine Abgabebereitschaft. "Die RWZ zahlt aktuell für Vorkontrakte frei Wasserstandort Worms, ex Ernte, für Futterweizen 150 Euro/t, für B-Weizen 158 Euro/t und für A-Weizen 166 Euro/l", sagte Hunsinger. Eine schwierige Situation sei derzeit am Oberrhein durch den Wegfall der Pfalzmühle bei Roggen festzustellen, nur 120 Euro/t \ zahle die RWZ aktuell für Brotroggen in Vorkontrakten frei Wasserstandort Worms. Gut sieht es derzeit bei Raps aus. "Die Produktion und der Verbrauch liegen nahe beieinander, wir haben somit eine stabile Lage", konstatierte Hunsinger. Für Vorkontrakte zahle die RWZ aktuell 346 Euro/t frei Wasserstandort Worms ex Ernte, der tagesaktuelle Matif Paris lag bei 358 Euro/t.

Teilabschlüsse für Braugerste und Raps ratsam

Vertriebsleiter Hunsinger empfahl daher Teilabschlüsse bei Braugerste und Raps vorzunehmen sowie das Mindestpreissystem und die Einlagerung der RWZ zu nutzen. Dr. Ludger Schulze Pals, Chefredakteur einer bundesweiten Agrarzeitschrift, widmete sich dem Thema "Volatile Märkte, kritische Verbraucher und regelwütige Politiker - welche Antworten kann die Landwirtschaft geben?". Er kam zu dem Schluss, dass die ganze Branche der Landwirtschaft Geld in die Hand nehmen müsse, um sich in der Gesellschaft Gehör zu verschaffen. "Wir sprechen die falsche Sprache, wir müssen emotionaler werden und nicht so faktenverliebt. Frech, frisch und mutiger muss sich die Landwirtschaft präsentieren und sich rigoros von "Schwarzen Schafen" abgrenzen", riet Schulze Pals. Dass der Verbraucher ein seltsames Wesen sei, das zu 37 Prozent Bio kaufen möchte, dieses aber nur zu 5 Prozent tut, das seien Widersprüche, mit denen man leben müsse. ,,Mit Landwirtschaft kann man Wahlen gewinnen. Das zeigte die Wahl in Niedersachsen 2013. Und auch 2017 werden die Grünen die Landwirtschaft als Wahlkampfthema nutzen, das wurde bereits angekündigt", so der Referent, denn Landwirtschaft ist wichtig für den Verbraucher und Wähler: Was man isst, das verleiht man sich ein. Das Thema sei daher sehr emotional.

Ganz rational äußerte sich Jürgen Petersen, Landwirt und Gedächtnisgroßmeister: "Sich Wissen anzueignen, das hat nichts mit Intelligenz zu tun, sondern mit der richtigen Methode. Um sich Dinge zu merken, muss man für sich die richtige Technik finden." Und da legte Petersen gleich mal los mit dem Publikum und probte einige Techniken, für viele überraschend, der Erfolg. Es lag dann an Ralf Gerhard, dem Geschäftsführer Vertriebsgruppe Rheinhessen-Pfalz, den Referenten zu danken und den Landwirten eine gute Ernte 2015 zu wünschen.

Ausschnitt aus dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt, Ausgabe Nr. 22 vom 29.05.2015.

RWZ-Ackerbaufachtagung in Worms
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