Donnerstag, 10. November 2011
„Düngen wir unsere Kartoffeln noch zeitgemäß?“ mit diesem Thema befasste sich das Kartoffel-Fachforum der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG (RWZ) und der K+S Nitrogen am 9. November 2011. Dr. Christoph Leufen, Leiter des RWZ-Dienstleistungsbereichs Pflanzliche Produktion konnte über 70 Teilnehmer u.a. vom amtlichen Dienst, aus der Industrie und dem Handel in Mayschoß an der Ahr begrüßen. Gestiegene Ansprüche an die Qualität und Produktion des Kartoffelbaus bei gleichzeitig veränderten Rahmenbedingungen standen im Mittelpunkt der Diskussionen und Fachvorträge.
Für eine optimale Kartoffelproduktion ist das abgestimmte Zusammenspiel aller Nährstoffe, wie z.B. Stickstoff, Kalium, Magnesium, Phosphat und Schwefel, aber auch der Mikronährstoffe unter Berücksichtigung der Eigenschaften der Böden und der Fruchtfolge von entscheidender Bedeutung. Praxisorientierte und wissenschaftlich fundierte Lösungs- und Anbauempfehlungen stellten die Fachexperten aus Beratung und Industrie den Teilnehmer während der eintägigen Veranstaltung vor.
Status Quo Kartoffelbau
Die Anforderungen an die Qualität und die Produktion von Kartoffeln haben sich in den letzten 20 Jahren geändert, stellten Harald Beyer von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und Manfred Dreßler von der RES Naturae GmbH fest. Diese Ansprüche werden insbesondere durch die Multifaktoriellität des Mangels bestimmt, so Beyer weiter. Je mehr Einflußfaktoren der Landwirt anhand einer Checkliste berücksichtigt, desto besser ist die Qualität bei diesem Merkmal. Die negative Wirkung von Mais als Vorfrucht auf die Kartoffel machen die Ergebnisse eines langjährigen Fruchtfolgeversuches deutlich. Ebenso führt eine Stickstoff-Ernährung auf Ammonium-Basis zu positiven Erträgen bei verbesserten Qualitäten. Die gewohnten Düngegaben von Kalium sind zu gering und müssen zukünftig erhöht werden, um Ertrag und Qualität zu erhöhen, belegt ein weiterer
praktischer Versuch.
Die Nährstoffe und ihre Interaktionen beeinflussen in hohem Maße die Qualität und Erträge
„Jeder Nährstoff und besonders die ausgewogene Versorgung mit diesen nimmt Einfluss auf bestimmte Qualitätseigenschaften der Kartoffeln“, so Hermann Kurpjuweit von der Anwendungstechnischen Beratung der K+S Nitrogen GmbH. Das schwach ausgeprägte Wurzelsystem der Kartoffel und die damit verbundene begrenzte Durchwurzelung des Bodens bedingen eine reduzierte Nährstoffaufnahme. Durch anbautechnische Maßnahmen muss dafür gesorgt werden, dass die Nährstoffe im durchwurzelten Boden platziert werden und das die mit der Düngung zugeführten Nährstoffe auch unmittelbar den Pflanzen verfügbar sind. Eine schlechte Versorgung mit Kalium und Magnesium reduziert zudem das Wurzelwachstum, dass zu einer schlechten Wasser- und Nährstoffversorgung führt und damit Qualität und Ertrag erheblich beeinträchtigt. Reinhard Elfrich von der Landwirtschaftlichen Anwendungsberatung K+S Kali empfiehlt eine Blattspritzung mit Magnesium, um die temporären Wachstumsstörungen zu beseitigen. Ebenso vitalisiert Magnesium den Kartoffelbestand und kompensiert damit lange Trockenperioden und hohe Strahlungsintensität. 26 Feldversuche belegen die hohen Ansprüche der Kartoffel an die Kali-Versorgung. Für hohe Erträge sind hohe Kali-Zugaben erforderlich. Bei einer Versorgung von 20 mg K2O 100 g Boden ha-1 K2O werden Mehrerträge von bis zu 10 % erzielt. Böden mit einer ausreichenden Kalium-Versorgung verfügen über eine höhere nutzbare Feldkapazität, damit wird den Kulturpflanzen mehr Wasser zur Verfügung gestellt. Dies bringt auf Grund des zunehmenden Witterungsstress ertragliche und qualitative Vorteile, ergänzt Prof. Dr. Andreas Gransee von der landwirtschaftlichen Anwendungsberatung K+S Kali GmbH.
Stickstoff ist nicht gleich Stickstoff
Die erforderlichen Stickstoffmengen bewegen sich in einem engen Rahmen und werden bestimmt durch die Produktionsrichtung und Eigenschaften des Standortes. Ein Überangebot von Stickstoff wirkt sich nachteilig auf die Qualität und Umwelt aus, beschreibt Hermann Kurpjuweit. Von den drei möglichen Stickstoffformen präferiert die Kartoffel Ammonium-N. Aufgrund der Umwandlung von Ammonium zu Nitrat durch die Bodenbakterien in nur wenigen Tagen, empfiehlt Dr. Reinhardt Hähndel aus der Abteilung Forschung und Entwicklung von K+S Nitrogen geschützten, d.h. stabilisierten N-Dünger, der langsam aber stetig den Transport des Ammoniums zur Pflanzenwurzel bewirkt und eine gleichmäßige und witterungsunabhängige N-Versorgung zur Folge hat. Die Pflanzen können die Stickstoffaufnahme selbst regeln, damit steht ausreichend Stickstoff für den Wachstumsstart und den späteren Bedarf zur Verfügung, ergänzt Volker Sandrock von der Fachberatung bei K+S. Der Ammoniumstickstoff setzt sich verlangsamt frei und steht der Pflanze bis zu 10 Wochen zur Verfügung. Durch diese Ammoniumernährung auf Basis von ENTEC werden Qualitätsverluste verringert oder sogar vermieden und eine solide Bestandsentwicklung ist gewährleistet. Außerdem reduziert diese Ammoniumernährung die Lachgas-Emission, eines der Klimagase und minimiert die Nitratauswaschung und fördert gleichzeitig Erträge und Qualitäten. Diese Aussagen unterstützen auch die bundesweiten Düngerversuche 2011 der K+S Nitrogen, die Norbert Baumgartner vorstellt. Neben höheren Erträgen ist das Erntegut homogener und weist eine gleichmäßigere Sortierung auf, eines der Vorzüge des stabilisierten Stickstoffs, insbesondere bei extremen Witterungsbedingungen.
Mischen possible!
Mischdünger werden je nach Anforderungen der Pflanzen und unter Berücksichtigung der jeweiligen Standort und Situation hergestellt, erläutert Gerd Zitzner, RWZ-Geschäftsbereich Düngemittel. Anhand von „Mischbausteinen“ stehen sowohl N-stabilisierte wie auch nicht N-stabilisierte Mischungen, die sogar Kalium betont sein können, zur Verfügung. Als „Rund um Cocktail“ können diese Mischungen bei Bedarf mit Mikronährstoffen ergänzt werden. Praxisbeispiele zeigten eindrucksvoll, wie entscheidend die Auswahl der richtigen Mischkomponenten ist. Für die neue „Kartoffelsaison 2012“ stellte Zitzner vier Düngerformeln vor, mit denen eine zeitgemäße Düngung der Kartoffeln erfolgen kann. RWZ-Winterveranstaltungen Bei den RWZ-Winterveranstaltungen, die im Januar 2012 im gesamten Einzugsgebiet der RWZ durchgeführt werden, gibt die RWZ den Landwirten die Gelegenheit sich ausführlich und detailliert über die Anwendungsempfehlungen von Dünger unter Berücksichtigung der neuen Rahmenbedingungen zu informieren.
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