Weinbauversuche bei der RWZ

veröffentlicht am 12. September 2016

Weinbauversuche bei der RWZ
<i>Weinbauversuche bei der RWZ</i>

Unabhängige Meinung bilden

Eine eigene Meinung unabhängig vom Hersteller bilden und die Ergebnisse in die Beratung bzw. Empfehlungen einfließen lassen – das hat sich die RWZ mit ihrem umfangreichen Versuchswesen im Weinbau auf die Fahne geschrieben. Auf drei verschiedenen RWZ-Weinbauversuchsstandorten in den Anbaugebieten Pfalz (Kirrweiler), Rheinhessen (Westhofen) und Mosel (Kröv) werden umfangreiche Pflanzenschutzversuche durchgeführt.

„Nur so können wir die Wirkung neuer Produkte überprüfen und mit altbekannten Mitteln vergleichen. Das ist wichtig, vor allem auch vor dem Hintergrund der Resistenzbildung. So können wir einen Wirkungsverlust gegen bestimmte Schaderreger frühzeitig feststellen und die Empfehlungen für die jeweilige Region direkt anpassen. Zum Saisonabschluss bieten wir an zwei Versuchsstandorten Besichtigungen an. Dann kann sich jeder auch ein eigenes Bild machen. Es ist uns sehr wichtig, die Winzer bestmöglich zu informieren“, so RWZ-Weinbaufachberater Benjamin Foerg.

Die Herausforderung ist die Überarbeitung etablierter Erkenntnisse, die unter den jetzigen klimatischen Bedingungen so nicht mehr gelten. Hier konnte die RWZ mit den Versuchsergebnissen der letzten Jahre und den daraus resultierenden RWZ-Pflanzenschutzstrategien punkten. Die alte Regel, dass ein Peronosporajahr nicht mit einem Oidiumjahr zusammenfällt, ebenso wie Faustformeln für Infektionsbedingungen müssen vor allem in einem Jahr mit so hohem Infektionsdruck wie 2016 genauer hinterfragt werden. Kontaktmittel werden oftmals von stärkeren Niederschlägen einfach abgewaschen und es besteht trotz der erfolgten Maßnahme kein Schutz mehr. Bei extremen Bedingungen nutzen vorhandene Sporen jede Lücke im Pflanzenschutz. Genaue Kenntnis von den Stärken und den Schwächen der einzelnen Produkte sind hier erforderlich, um ein gutes Ergebnis zu erhalten. Zu lange oder pauschale Spritzabstände ohne Beachtung der Witterung und des Neuzuwachses haben dieses Jahr zu deutlichen Ertragsminderungen geführt. Selbst wer gute Kenntnisse hatte musste dieses Jahr Federn lassen. Gerade in Bezug auf die Witterung gehörte bei der Terminierung auch eine Portion Glück dazu. Oftmals war eine Applikation geplant, aber aufgrund der Witterung nicht durchführbar. Tiefenwirksame, teilsystemische Fungizide sind regenfester und können den Bestand durch eine gewisse Nachverteilung des Wirkstoffes länger schützen, kommen aber bei starken Wachstumsphasen auch schnell an ihre Grenzen. Gerade an Trauben wird die vielfach beworbene Kurativleistung oftmals überschätzt. Zudem heißt teilsystemisch noch lange nicht, dass der Wirkstoff auch bis in den letzten Winkel der Pflanze gelangt. Wer dieses Jahr einmal daneben lag, konnte nur noch reagieren, leider oft mit unbefriedigendem Ergebnis.
Einen wichtigen Hinweis aus Händlersicht hat Weinbauexperte Foerg vor allem für die Weinbauer der Mosel: Wenn eine große Weinbauregion, die keine typische Peronospora-Region ist, wie beispielsweise die Pfalz, Probleme mit dieser Krankheit bekommt und vermehrt tiefenwirksame Fungizide kauft, dann kann die Mittelverfügbarkeit nicht immer gewährleistet werden.
Aktuelle Erkenntnisse zur Kirschessigfliege und abiotische Stressfaktoren der Rebe und die möglichen oenologischen Maßnahmen zur Qualitätssicherung rundeten das Vortragsprogramm ab.

Da auch zeitgemäße Applikationstechnik einen entscheidenden Beitrag zum erfolgreichen Pflanzenschutz darstellt, wurde bei der Maschinenvorführung in Kröv dieses Jahr ein besonderes Augenmerk darauf gelegt. Mittels Indikatorpapier wurde deutlich dargestellt, welchen Vorteil moderne Düsen gegenüber den im Weinbau immer noch sehr verbreiteten älteren Modellen haben. Das Thema der Abtrift wird vielfach unterschätzt. Wenn bei der Anwendung eine deutliche Wolke zu sehen ist, landet der Wirkstoff nicht auf der Zielfläche und ist dort auch nicht wirksam. Alleine mit der richtigen Düsenbestückung lässt sich hier mit geringem Aufwand schon vieles verbessern.

Neben Pflanzenschutzstrategien präsentierte die RWZ auf den Weinbautagen in Kröv ihre Weinbau- und Kellereitechnik. Neben Gär- und Mostkühlung konnten auch Weinpumpen, diverse Tanks sowie Verschluss- und Verpackungslösungen begutachtet werden. Das breite ausgestellte RWZ-Sortiment bei der Außentechnik umfasste neben Weinbergschleppern, Pflanzenschutzspritzen, Elektroscheren und Bodenbearbeitungsgeräten auch Betriebsmittel zur Produktion für den konventionellen und biologischen Weinbau.

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