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Zu Besuch beim... Ackerbaubetrieb Guy Tempels

Mai 2019

Mehrwert über breites Nischenportfolio

Direktvermarktung macht Guy Tempels aus Oberkorn in Luxemburg schon seit über 30 Jahren. Mit Milch und Eiern ab Hof hat es angefangen, inzwischen hat der Betriebsleiter eines 120-ha-Ackerbaubetriebes, zudem auch 105 ha Grünland und 100 Charolais-Mutterkühen gehören, verschiedenste Nischen als zusätzliches Standbein für sich entdeckt – und ist da sehr ideenreich und experimentierfreudig. 

„Mit der BSE-Krise hat es angefangen“, so Guy Tempels über die Anfänge seiner Diversifizierung in puncto Direktvermarktung. „Irgendwann waren 15 bis 20 Tiere pro Jahr übrig, hauptsächlich weibliche Absetzer. Da war wirklich gar kein Absatz möglich. Diese Tiere haben wir dann selbst in 50-kg-Vierteln verkauft und uns so regionale Stammkundschaft aufgebaut. Heute wollen die Leute aber eher kleinere Mengen und bereits verarbeitetes Fleisch wie Würstchen oder Hamburger, also Produkte, die einfach zuzubereiten sind. Ich arbeite mit einem Metzger zusammen und wir stellen zwei verschiedene 20-kg-Kisten mit Fleischprodukten zusammen und im Sommer zusätzlich eine 10-kg-Grillkiste.“ Zur Fleischvermarktung seiner Charolaisrinder kommen noch 500 Masthähnchen, Suppenhühner und seit zwei Jahren auch der Verkauf von selbstgejagten Wildschweinen und Rehen, die in der Gegend aufgrund von Wildverbiss dezimiert werden müssen. „Wildfleisch läuft unwahrscheinlich gut. Es kommt gut bei den Leuten an, dass das Fleisch von hier ist. Beim Rindfleisch können die Kunden quasi an der Kuh vorbeilaufen und sehen, dass die Tiere Platz haben. Die Leute wollen heutzutage wissen, woher ihre Nahrungsmittel kommen – und sind so zufrieden. Das spornt an“, so der Landwirt. „Und für diese Frische und Herkunft sind die Kunden auch bereit, einen angemessenen Preis zu zahlen.“

Diversifizierung der Nischen
Auf 0,3 ha Salat, Bohnen und Radieschen zum Selbstpflücken, 0,5 ha Kürbisse, 16 ha Agroforst – sukzessive hat Guy Tempels sein Nischenportfolio erweitert. Dabei ist ihm wichtig, dass Aufwand und Menge überschaubar bleiben. Er plant deswegen auch nicht, seine derzeit 150 Legehennen aufzustocken, obwohl die Nachfrage deutlich höher ist und er auch ohne Weiteres doppelt so viele Eier verkaufen könnte. „Aber dann liefe das nicht mehr einfach so nebenher“, begründet Tempels seine Entscheidung. Die Einkünfte sind zwar bei den einzelnen Nischen nicht besonders hoch, aber „Kleinvieh macht auch Mist“, so Tempels.

Kontinuierliche Einkünfte
Weiterer Pluspunkt einiger Nischen: Die Einkünfte fließen kontinuierlich – und nicht wie beim Ackerbau nur einmal jährlich, wenn die Ernte vermarktet wird. „Zudem ist man nicht mehr so abhängig vom Getreidepreis und hat ein Problem, wenn dieser auf zehn oder elf Euro fällt.“ Aber auch beim Getreide generiert Guy Tempels einen Mehrwert über Vertragsanbau von Eliteweizen oder Braugerste für regionale Verarbeiter und die Getreidevermarktung über die RWZ Agro Lux GmbH in Mertert. Zudem bezieht der Landwirt Betriebsmittel bei der RWZ Agro Lux GmbH und steht fachlich im Austausch mit seinem RWZ-Fachberater Jürgen Diefenbach. „Luxemburg ist ein Hochpreisland, auch für die Landwirtschaft, Betriebsmittel, Agrartechnik, Bodenpreise“, so Jürgen Diefenbach über die Besonderheiten hinter der Grenze. „Aber auch die Luxemburgischen Landwirte müssen auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sein. Dabei wollen wir ihnen helfen, indem wir qualitativ hochwertige Betriebsmittel zu bezahlbaren Preisen anbieten.“

Agrar + Forst = Agroforst
Was ist Agroforst und wie kam es dazu? „Ich habe die Fläche vom Staat gepachtet und als ich dort Agroforst machen sollte, dachte ich, warum nicht?“, erklärt Guy Tempels. „Zudem sieht es gut aus und das Mikroklima ist besser. Ich habe insgesamt vier Reihen á 500 Meter.“ Agroforst, das sind Baumreihen mit 3er-Baumgruppen in 10-m-Abständen, von denen nach 10 Jahren zwei Bäume gefällt werden. Nur der beste Baum bleibt stehen und wird später zu Furnierholz verarbeitet. In den 56 Metern zwischen den Baumreihen bewirtschaftet er ganz normal seine Ackerfläche.

Engagement für landwirtschaftliches Image
Guy Tempels betreibt zudem engagiert Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft. Der ortsansässige Oldtimer-Traktorclub richtet jeden Herbst ein Hoffest auf dem Betrieb Haff Tempels aus. „Ich mache gerne Werbung für die Landwirtschaft und nehme die Leute mit ins Boot, bin auf Facebook aktiv“, so der Landwirt. „Außerdem besuchen rund 20 Schulklassen pro Jahr meinen Betrieb.“

Breit aufstellen, um zukunftsfähig zu bleiben
Auch in Zukunft bleibt Guy Tempels dabei, sich breit aufzustellen. Derzeit überlegt er, in einen Eierautomaten zu investieren.

RWZ-Agrarfachberater Jürgen Diefenbach (links) kontrolliert zusammen mit Landwirt Guy Tempels die Bestandesdichte des frisch gepflanzen Salates auf dem Feld zum Selberpflücken. "Wenn 60 % der Salatpflanzen vermarktet werden können, bin ich zufrieden", so Tempels.
Oldtimer-Liebhaber Tempels ist stolzer Besitzer des MAN-Ackerdiesels von 1950, der seit der Erstzulassung durch seinen Großvater zum Familienbesitz gehört.
Agroforst - es werden jeweils drei Bäume pro Gruppe gepflanzt, aber nur der "beste" Baum bleibt erhalten.
RWZ Agro Lux GmbH in Mertert.

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Kontaktieren Sie uns!

Martina Tschörtner

Chefredakteurin RWZ-agrarReport

Telefon: 0221 / 16 38-3972
Mail: martina.tschoertner(at)rwz.de
 

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