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Zu Besuch beim... Bioweingut Rings

November 2019

Von 10 auf 40 Hektar Rebfläche, von konventionell auf biologisch, von Quantität zum VDP-Mitglied, von Abschottung zum Austausch, Flurbereinigung inklusive 5 ha Neuanlage sowie der Neubau des Weingutes – die Brüder Steffen und Andreas Rings haben seit der Übernahme des Familienweinguts im pfälzischen Freinsheim vor zwölf Jahren viel verändert und erreicht.

„Unser Familienmotto war schon immer: Evolution statt Tradition“, so Andreas Rings. „Unser Vater hat uns zum Glück machen lassen und uns immer unterstützt, auch im für uns schwierigen Oidium-Jahr 2008 oder im Peronospora-Jahr 2016. Als wir 2008 angefangen haben, biologisch zu arbeiten, waren wir uns bewusst, dass wir mit eventuellen Ertragseinbußen rechnen mussten. Auch fehlte uns die Manpower, der Betrieb musste erstmal mitwachsen. 2014 haben wir offiziell umgestellt, nach drei Umstellungsjahren sind wir jetzt seit 2016 mit dem EU-Biozertifikat zertifiziert. Wir machen Bio aus Überzeugung, nicht zur Pflichterfüllung oder weil der Markt gerade danach verlangt. Für uns ergibt Bio nur Sinn, wenn auch eine Idee hinter dem großen Ganzen steht, nämlich, dass nur aus gesunden Böden große Weine entstehen.“

Know-how über Austausch
Woher kommt das Know-how, wenn die Bewirtschaftungsweise komplett umgestellt wird? Bei den Brüdern Rings war es viel Learning by doing sowie der Austausch mit befreundeten Bioweingütern und im VDP, dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter, in dem sie seit 2015 Mitglied sind. Und wenn es um Betriebsmittel für den Weinbau geht, wird Harald Langenbein, RWZ-Betriebsstellenleiter in Freinsheim, kontaktiert – und das schon seit 30 Jahren. „Bio war für mich auch Neuland und ich habe mich oft mit meinem Kollegen Benjamin Foerg beraten“, berichtet Harald Langenbein. „Wir haben immer Lösungen gefunden. ‚Haben wir nicht‘ gibt es bei mir nicht.“ Und Andreas Rings ergänzt: „Harald Langenbein denkt mit und deswegen kommen wir auch immer gerne wieder zur RWZ. Man merkt, wenn dir jemand helfen will und sich reinhängt!“

Biobetriebsmittel in Weinbergversuchen
Da die Wirksamkeit vieler Betriebsmittel für den Bioweinbau nicht getestet ist, prüft RWZ-Weinbaufachberater Benjamin Foerg neue Biobetriebsmittel in den Versuchsweinbergen der RWZ in Kirrweiler und Kröv. „Ich bekomme von Winzern oft Fragen zu Biobetriebsmitteln“, so Benjamin Foerg. „Im Versuchsweinberg kann ich dann selber eruieren, ob und inwieweit verschiedene Mittel tatsächlich halten, was sie versprechen – und mit gutem Gefühl ein Produkt empfehlen oder eben nicht.“

Arrondierung über Flurbereinigung
Inzwischen werden im Weingut Rings auf 135 Parzellen mit extrem unterschiedlichem Mikroklima gut 50 Hektoliter Wein pro Hektar erzeugt. Auch die Weine sind relativ vielseitig, Schwerpunkt sind Riesling und Spätburgunder, dazu kommen noch Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Der Neubau des Weinguts Rings liegt optimal mitten in den im Zuge der Flurbereinigung arrondierten Flächen. Allerdings musste Steffen Rings hierfür im Flurbereinigungs-Hotspot Freinsheim über die Jahre insgesamt fünf Hektar neu anlegen – was Andreas Rings kritisch sieht: „Zwei Jahre erntet man von diesen neu angelegten Flächen nichts. Und man verliert einfach das Alter der Rebe. Zudem geht die Tradition verloren, wenn ständig neue Rebsorten gepflanzt werden, die gerade am Markt funktionieren. Hier ist eine reine Rotwein-Lage, aber hier steht zu 80 % weiß, weil Weißwein wieder im Trend ist. Nur rein pflanzenbaulich ist das völliger Quatsch.“

Erfolgsfaktor Familienzusammenhalt
Jährlich werden im Weingut Rings 200.000 Flaschen abgefüllt, davon kosten 50.000 mehr als 20 € pro Flasche. 80 % gehen an Wiederverkäufer, gehobene Gastronomie sowie mit stark steigender Tendenz in den weltweiten Export, 20 % der Flaschen werden direkt an Privatkunden verkauft. Da inzwischen genug eigene Trauben von exzellenter Qualität geerntet werden, wird auch mal eine nur durchschnittliche Partie im Fass verkauft, damit nur „das Beste“ in die Flasche kommt. Ausschlaggebend für den großen Erfolg des Weingutes Rings ist auch der enge Zusammenhalt in der Familie. So sind neben den Brüdern Rings auch deren Schwester Simone sowie Steffen Rings Ehefrau Anne im Weingut tätig. „Wir hätten dieses große Projekt nicht gemacht, wenn wir uns nicht so gut vertragen würden“, so Andreas Rings. „Und das Weingut hätte sich nicht so entwickelt, wir machen sehr viel aus der Familie heraus.“

Ziel: möglichst wertige Weine erzeugen
Welche Pläne stehen für die Zukunft an? „Aktuell überlegen wir, ob wir unsere Idee von Weinerzeugung auch in einem Bioverband wiederfinden und uns dort anschließen“, antwortet Steffen Rings. „Auch der Ausbau der klassischen Lagen ist uns wichtig. Ansonsten wollen wir unsere Weine so wertig und so natürlich wie möglich in die Flasche bringen und einfach nur ein nachgefragtes Qualitätsprodukt erzeugen.“

Und welchen Tipp haben die Rings’schen Brüder für Betriebe, die umstellen möchten? „Der schwierigste und wichtigste Punkt überhaupt ist, sich zu trauen, es auch richtig durchzuziehen“, so Andreas Rings. „Jeder verliert nach zwei oder drei Jahren die Lust, wenn nichts passiert und du am Anfang kein Geld verdienst. Die Umstellung auf Bio muss man sich zudem auch leisten können. Aber wenn die Leute dann deine Weine kaufen, kann man darauf aufbauen. Ich bin überzeugt, dass man total transparent sein und mit einer ganz klaren Aussage an den Markt gehen muss. Der Wille und die Klarheit sind entscheidend, keiner wartet auf dich und Wein gibt es genug.“

Familie wird bei Rings groß geschrieben: Jedem Kind wird zur Geburt ein eigenes Weinfass gewidmet.
RWZ-Weinbaufachberater Benjamin Foerg, Steffen und Andreas Rings sowie Betriebsstellenleiter der RWZ in Freinsheim, Harald Langenbein, (v. l.n.r.) beim Gespräch im Weinlager des neuen Weingutes, in dem auch die Flaschen für den weltweiten Export kommissioniert werden.
Benjamin Foerg zeigt die gute Wurzelbildung der Weinbergbegrünung.
Die „heißeste Lage“ in Freinsheim: „Das Kreuz“ mit dem Neubau des Weingutes Rings.

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Kontaktieren Sie uns!

Martina Tschörtner

Chefredakteurin RWZ-agrarReport

Telefon: 0221 / 16 38-3972
Mail: martina.tschoertner(at)rwz.de
 

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