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Zu Besuch beim... Prädikatsweingut Schlossgut Diel

Dezember 2018

Bio Inkognito

Biologisch wirtschaften, aber „Bio“ nicht aufs Etikett schreiben? Macht das Sinn? Für Winzerin Caroline Diel aus Rümmelsheim im Weinanbaugebiet Nahe schon. Und mit dieser Überzeugung ist  die Leiterin des Prädikatsweingutes „Schlossgut Diel“ nicht alleine. Inzwischen nutzen viele  konventionelle Betriebe Elemente aus dem Biobereich, ohne mit der letzten Konsequenz auf Bio umzustellen.

Einfach mal ein Jahr ohne Herbizide auskommen – mit diesem Plan hat es bei Caroline Diel angefangen. Das war 2007. Seitdem hat sie schrittweise ihren Weg gefunden und bewirtschaftet seit ein paar Jahren fast den kompletten 25-ha-Betrieb ökologisch, allerdings ohne Dogma, ohne Siegel. Warum?  „Weil ich nicht immer davon überzeugt bin, dass die Regularien des Bioweinbaus die beste Lösung  sind“, antwortet Diel. „Und weil ich nichts schlimmer finde, als in eine Schublade gesteckt zu werden.  Wenn ich biologisch wirtschafte, funktioniert es einfach gut. Als Winzer arbeitet man ja mit der Natur.  Die Natur ist unser höchstes Gut. Wenn wir unsere Weinberge nicht ordentlich pflegen und nicht das Bestmögliche für die Weinberge tun, dann kann man natürlich auch nicht das bestmögliche Produkt  bekommen. Für mich ist Herkunft das Allerwichtigste. Herkunft ist das, was uns von jedem anderen Winzer unterscheidet. Wir versuchen unser Stück Land so zu bewirtschaften, dass es authentisch  rüberkommt, dass Weine wiedererkennbar sind, dass man sie zu einer Region, zu einem Boden, zu  einem Betrieb zuordnen kann. Wir bringen das alles in Harmonie miteinander.“ Von Schwarz-Weiß- Malerei hält auch RWZ-Fachberater Weinbau Benjamin Foerg, der das Weingut Diel seit Jahren gut  kennt, nicht viel: „Beides hat seine Berechtigung, konventionell und Bio, beides kann ökologisch sinnvoll sein. Wenn man nicht biozertifiziert ist, hat man eine Reserve, die man sonst nicht hätte.“

GESAMTKONZEPT
Entscheidend bei biologischer Bewirtschaftung ist, ein Gesamtkonzept zu haben. „Sonst wird man im  Sommer schnell überrannt“, berichtet Caroline Diel von den Anfängen. „Wir standen damals im Sommer zum Unkrautzupfen im Steilhang, wo wir eigentlich andere Arbeiten hätten machen müssen. Dann  haben wir in den Steillagen ohne Direktzug teilweise wieder Herbizide unter den Stöcken eingesetzt. In den weniger steilen Lagen bekommt man mit Unterstockgeräten eine gescheite Bodenbewegung hin. Aber im Steilen ist das auch aufgrund der Erosion eine große Herausforderung.“

LANGJÄHRIGE ZUSAMMENARBEIT
Betriebsmittel bezieht Caroline Diel, wie schon ihr Vater vor 30 Jahren, von KLUG in Langenlonsheim und kennt KLUG-Weinbauberater Peter Müller entsprechend lange. „Mit der Familie Diel pflegen wir eine langjährige und breite Zusammenarbeit auf ganz vielen Ebenen“, erklärt Peter Müller. „Flaschen, die  ganzen Kellereiartikel, Kartonagen, Weintanks und, auch nicht ganz unerheblich, was bei uns  eingelagert wird, vor allem bereits abgefüllte Flaschen.“

HILFREICHE HINWEISE VOM WEINLABOR
„Und wir nutzen oft das Weinlabor in Langenlonsheim“, so Diel weiter. „Da machen wir einiges an  Analysen. Man hat ja gewisse Anforderungen die man erfüllen muss: Dichte, Alkohol, Zucker, Säure, die obligatorische Standardanalyse eben. Dann gibt es natürlich auch noch einen Haufen anderer Analytik, die man machen kann. Oder Beratung und Verbesserungsvorschläge, wenn es mal irgendeinen Tank im Keller gibt, der sich nicht so entwickelt, wie man sich das vorstellt. Oft kann man sich selber weiterhelfen, manchmal auch nicht. Dann ist es nicht verkehrt, eine Fremdmeinung einzuholen und einen hilfreichen  Hinweis zu bekommen. Ob man es dann macht oder nicht, kann man immer noch selber entscheiden.“

KNOW-HOW UND HERZBLUT WICHTIGER ALS BIO ODER KONVENTIONELL
Wie sich der Wein im Zuge der vorwiegend ökologischen Bewirtschaftung verändert hat? Caroline Diel antwortet: „Ich will es gar nicht an Bio festmachen. Ich glaube, es ist das ‚Sich-mit-dem-Standort- beschäftigen‘, das ‚Sich-mehr-Zeit-nehmen‘, dem Stück Land mehr Zeit zu widmen und dann  entsprechende Entscheidungen zu treffen. Pflüge ich jetzt, oder mähe ich lieber nur ab? Wie mache ich das mit meinen Blättern, lasse ich die komplette Laubwand stehen, oder nehme ich doch ein paar  Blätter weg, dass ich eine größere Durchlüftung habe und die Trauben länger gesund bleiben können? Wann ernte ich? Mache ich eine Ertragsreduktion oder nicht? Das sind ganz viele kleine Schritte, die ganz wichtig sind. Ich glaube, es ist wichtiger, was man an Energie von der menschlichen Seite reinsteckt als das, was ich am Schluss spritze.“

WEIN WIRD DRAUßEN GEMACHT
„Früher wurde das Land beackert und rausgeholt was geht“, so Benjamin Foerg. „Heute geht es mehr  darum, den Stil meines Weinguts herauszuarbeiten, Qualität alleine ist noch kein  Alleinstellungsmerkmal. Der Wein ist fertig, wenn die Traube abgeschnitten ist, nicht wenn er aus dem Keller kommt. Der Keller ist Erhaltungsmaßnahme, da muss man so wenig wie möglich tun. Jede  Maßnahme im Keller ist eine Korrekturmaßnahme. Wein wird draußen gemacht. Man kann aus schlechten Trauben was Trinkbares machen, aber …“ – „… aber keinen guten Wein, genau!“, ergänzt Caroline Diel. „Man setzt im Weinberg an, um gute und authentische Trauben zu haben, die haben  bereits das ganze Optimum an Aroma, Herkunft, Mineralik, Frucht, etc. Das gilt es, im Keller zu erhalten. Trotzdem ist es wichtig, die Prozesse im Keller zwangsläufig sehr durchdacht zu vollziehen, damit dieses Potenzial auch erhalten bleibt. Und in diesem Zusammenhang hat sich auch die Kellertechnik entsprechend weiterentwickelt.“ So viel Know-how und Herzblut zu investieren, lohnt sich. Das Schlossgut Diel ist eines von nur rund 200 Weingütern Deutschlands, die den sogenannten  Traubenadler des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) tragen dürfen.

Schlossgut Diel mit der Burg Layen im Weinanbaugebiet Nahe.
2006 hat Caroline Diel für den technischen Bereich des 1802 gegründeten Weinguts die Verantwortung übernommen. Seit 2017 führt die Diplom-Önologin zusammen mit ihrem Mann Sylvain Taurisson-Diel das Schlossgut Diel in siebter Generation. Mit den Kindern Anouk, Raphael und Alice steht schon die nächste Generation in den Startlöchern.
Peter Müller (KLUG) und Benjamin Foerg (RWZ) verkosten zusammen mit Betriebsleiterin Caroline Diel und Winzer Marcel Will den 2018er Jahrgang (v.l.n.r.).
Immer mit Herz und Seele bei ihrem Wein: Caroline Diel.

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Kontaktieren Sie uns!

Martina Tschörtner

Chefredakteurin RWZ-agrarReport

Telefon: 0221 / 16 38-3972
Mail: martina.tschoertner(at)rwz.de
 

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