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Zu Besuch beim... Weingut "Maximin Grünhaus"

Mai 2020

An Historie mangelt es nicht: Schon zur Römerzeit wurde hier aufgrund der idealen Bedingungen Wein angebaut. Seit 1882 ist das Weingut „Maximin Grünhaus” in Mertesdorf an der Mosel im Besitz der Familie von Schubert. Seit 2017 bewirtschaftet Maximin von Schubert das geschichtsträchtige Spitzenweingut zusammen mit seiner Frau Amelie in der 6. Generation. Mit dem Generationenwechsel kamen auch einige Innovationen – bei so viel Geschichte und Potenzial ein Balanceakt.

„Das Weingut hatte schon damals, als mein Urururgroßvater das Weingut gekauft hat, einen sehr guten Ruf”, so Maximin von Schubert. „Wir haben 32 ha geschlossene Rebflächen, die in drei Lagen geteilt sind: Bruderberg, Herrenberg, Abtsberg, alles Steil- und Steilstlagen. Als Rebspiegel haben wir 89 % Riesling, 6 % Weißburgunder und 5 % Spätburgunder. Die Burgundersorten sind seit 2003 wieder im Rennen, eine Innovation meines Vaters und eine sehr gute Entscheidung, weil Burgundersorten früher gelesen werden und damit die Lese entzerrt. Außerdem macht der Burgunder unglaublichen Spaß, weil wir uns in eine ganz neue Welt reinarbeiten konnten.”

Etablierung der jungen Zweitmarke „Maximin”
Aber auch Maximin von Schubert hat einiges verändert: „Wir haben 3 ha dazugepachtet, auf denen die Reben für die junge Zweitmarke ‚Maximin‘ stehen und wo wir außerhalb vom Monopol-Weinberg arbeiten können”, berichtet der Winzer. „Neben all den tollen Eigenschaften eines geschlossenen Weinbergs mit lokalem Betriebshof und den sehr kurzen Wegen hat dieser nämlich auch einen entscheidenden Nachteil: Man bekommt auch alle Wetterereignisse ab wie z. B. 2017 oder 2019, wo wir jeweils 2/3 an Frost und Fäulnis verloren haben. Dann ist alles betroffen. Andererseits in Jahren wie 2018 ist man dann auch überall gut. Allerdings hat man bei einer kleinen Ernte durch die Selektion auch die Chance, immer unheimlich gute große Gewächse zu lesen, weil man einfach wahnsinnig viel Auswahlmöglichkeit hat. Wir selektieren alles gleich und vergären alles spontan in kleinen Fässern. Von der Anlage her könnte hier jeder Wein etwas Großes werden, man hat wirklich eine riesige Auswahl und dadurch immer unglaublich gute und sehr konstante Spitzenweine. Selbst der Gutswein heißt hier ‚Monopol‘, weil das nach VDP-System ein abgestuftes großes Gewächs ist.” Viele interne Neuerungen Durch die Etablierung des zweiten Standbeins „Maximin” ist die Abhängigkeit von einem Weinberg mit seinen dramatischen Ertragsschwankungen von bis zu 300 % nicht mehr so groß. Zudem hat Maximin von Schubert 7 ha nachgepflanzt, darunter auch die zahlreichen Brachen wiederbepflanzt. Als weitere Neuerung hat der Winzer das Sortiment klarer gestaltet und verschlankt, weil es gerade im Einstiegssegment zu viele unterschiedliche Weine gab. Beim Etikett hat er die Lesbarkeit verbessert und für das gesamte Sortiment die alte 35 mm Mosel-Schlegel-Flasche wiedereingeführt, „weil wir diese einfach wahnsinnig schön und elegant finden”, so Maximin von Schubert. „Innerbetrieblich versuche ich mehr auszubilden, weil ‚Maximin Grünhaus‘ ein sehr schönes Weingut ist, wo man viel lernen kann, auch handwerklich. Zudem haben wir aus dem früheren Logistiklager in Eigenleistung eine neue Vinothek geschaffen. Das Büro haben wir zentral ins Herz des Betriebes gesetzt, sodass man alles im Blick hat und nur zwei Treppen bis in den Weinkeller runterläuft.”

Investition in Kellertechnik
Was die technische Ausstattung angeht, war das Weingut „Maximin Grünhaus” schon im 19. Jahrhundert ein absoluter Vorzeigebetrieb, sehr modern und mit eigener Eisenbahn, Elektrik über eigenen Wasserantrieb und alles, was technisch früher möglich war auch hochgradig innovativ. Heute ist das Weingut immer noch auf einem technisch sehr guten Stand und es wurde erheblich in die Kellertechnik investiert. Zudem hat Maximin von Schubert eine RMS Raupe (Raupen-Mechanisierungs-System) angeschafft, welche die Arbeitssicherheit erhöht und die Bodenverdichtung bei den Überfahrten reduziert.

Weinbergsbegrünung für mehr Nachhaltigkeit
Auch neu: die Weinbergsbegrünung zur Erosionsminderung. „Wir haben bei der RWZ sehr viele Einsaaten gekauft und experimentieren damit jetzt im zweiten Jahr, weil durch die extreme Hitze in diesem kompakten blauen Devonischen Schiefersteinhang im Prinzip alles an Begrünung verbrennt”, erklärt Maximin von Schubert. „Wenn dann auch noch Starkniederschläge von 100 l/m² Feinboden und Begrünungssaat wegspülen, wird es schwierig mit dem Saataufgang. Derzeit intensivieren wir unsere Bemühungen diesbezüglich noch mal deutlich. Zum Erosionsschutz und weil wir seit zwei Jahren versuchen herbizidfrei zu werden, auch mit Hilfe der Weinbergsbegrünung. Zwar bringt die Begrünung noch mehr Grün, aber schwachwüchsige Grassorten wachsen nicht so hoch, die Traubenzone bleibt luftig und kann gut abtrocknen – was wiederum wichtig für eine weitere wichtige Zielsetzung von uns ist, nämlich trotz klassischer Peronospora-Lage fast ohne Fungizidbehandlungen auszukommen. Unerwünschte Unterstockbegrünung bürsten wir neuerdings mit Multi Clean-Bürsten weg, das funktioniert sehr gut.”

Seit 2016 im VDP
Mit dem Generationenübergang kam zudem der Eintritt in den VDP, dem Verband Deutscher Qualitätsweingüter – nach 80 Jahren Pause. „Die beste Errungenschaft des VDP ist das ‚Große Gewächs‘, also ein Spitzenwein für alle Regionen, übrigens als einziges Weinbauland der Welt”, meint der VDP Winzer. „Großer Anreiz für mich waren auch die unglaublich guten VDP-internen Messen und die Tatsache, dass der VDP unterm Strich ein Qualitätssiegel ist.” International ist „GG”, das „Große Gewächs”, als Begriff für Spitzenwein jedenfalls angekommen und wichtiges Verkaufskriterium eines Weingutes, dessen Exportanteil bei 40 % liegt und vornehmlich die gehobene Gastronomie beliefert. „Für mich war es immer sehr erstrebenswert, in der Gastronomie zu sein, gesehen und getrunken zu werden”, so von Schubert. „Heute ist das wegen Corona natürlich schwierig. Jetzt gilt es, zu einer Art Normalität zurückzufinden.”

RWZ und KLUG: Nähe und Partnerschaft wichtig
Und wie wichtig ist die enge Anbindung an die RWZ-Betriebsstelle Ruwer? „Das ist für uns super, da machen wir im Weinbau im Prinzip das ganze Geschäft mit der RWZ”, antwortet Maximin von Schubert. „Wir holen alle Drähte, Pfähle, Bindegarne, wirklich alles Mögliche, und was gerade nicht da ist, wird schnell geliefert. Da sind wir in einer sehr engen Kooperation und das funktioniert sehr gut. Flaschen machen wir teilweise über KLUG und die PTZKartons kommen alle über den VDP von KLUG. Wir brauchen eine gute Partnerschaft, und die räumliche Nähe ist für uns tatsächlich ein wichtiger Faktor, weil es einfach praktisch ist. Das Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer hat seit einigen Jahren wieder enorm Aufwind. Die große herausforderung ist, die atemberaubenden Weinbergslagen schmeckbar zu machen und dabei trotz allem marktfähig arbeiten zu können. Dabei ist es wichtig, einen regionalen verlässlichen Partner zu haben, der uns ermöglicht, dass wir uns auf unsere Weinberge, Keller und Vermarktung konzentrieren können.”

Neu und alt: Ob kleine Edelstahl- oder Fuderfässer aus eigener Eiche, die spontane Gärung schafft die einzigartigen Weine dieses Spitzenweinguts.
Historischer Torbogen des Weingutes "Maximin Grünhaus".
Weinbergsbegrünung als Erosionsschutz in der Steilstlage "Abtsberg"
Winzer Maxmin von Schubert (Mitte, mit Gottfried Schmitt (links) und Denis Lutterbach (rechts) von der KLUG Fachgroßhandel für Kellereibedarf GmbH) ist eine gute Partnerschaft und räumliche Nähe zur RWZ und KLUG wichtig.

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Kontaktieren Sie uns!

Martina Tschörtner

Chefredakteurin RWZ-agrarReport

Telefon: 0221 / 16 38-3972
Mail: martina.tschoertner(at)rwz.de
 

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